Rasanter Wellenritt nach Middelfart

Was sich bei der Abfahrt heute Morgen noch als völlig harmlose Wellen präsentierte, entpuppte sich bereits eine halbe Stunde später als meterhohe Kracher, die einem schon Respekt einflößen, auf denen die Salida aber auch super surfen konnte. Der moderate, aber böige Ostwind von 4 bis 5 Knoten reichte völlig aus, um mit der Salida Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 9 Knoten zu erreichen – ein rasanter Wellenritt, der dem Skipper einiges an Kraft abverlangte, um auf den Wellen den Kurs zu halten. 

Das Segelvergnügen wird aber leider immer wieder durch Stellnetze getrübt. Die Ostsee zwischen den dänischen Inseln und dem Festland ist voll davon und oft stehen sie direkt in unserem Fahrweg, sodass schnelles Ausweichen nötig wird. Wir scannen immer wieder die Wasseroberfläche nach den verräterischen roten oder grünen Fähnchen ab, was bei diesen Wellenbergen und -tälern gar nicht so leicht ist. Sehr oft verfangen sich Schweinswale in diesen Netzen, die sich nicht mehr befreien können und dann qualvoll ersticken. Es wird ja viel diskutiert, dass die Population in der Ostsee in den letzten Jahren dramatisch geschrumpft ist, aber passiert ist bisher noch nichts (oder zu wenig).

Später, als wir uns dem Sund nähern, lassen Wind und Wellen nach und wir gleiten wieder ins gemütliche „Sonntagssegeln“. Und ich halte Ausschau nach den markanten Rückenflossen der Schweinswale …

Vor dem Kleinen Belt nimmt der Wind wieder heftig zu und wir bekommen es zusätzlich mit Strömungen zu tun. Zuletzt Böen bis 28 Knoten, das macht keinen Spaß mehr. 

Der alte Stadthafen, den wir zuerst ansteuern, ist leider voll und Walter fährt weiter Richtung alte Brücke. Dort gibt es noch einen kleinen Hafen, allerdings etwas abseits der Stadt, die große Marina wird ignoriert.

Der Hafen ist eng, aber mit einiger Mühe gelingt es uns, am letzten freien Anlieger festzumachen, in dem die 3,40 m Schiffsbreite hineinpasst. Aber gerade so: alle Fender an Bord hoch und mit Motorkraft zwischen den Dalben durchgezwängt. Sogleich werden wir von der dänischen Polizei erwartet: Schengenkontrolle 🫣. Sehen wir aus wie Saboteure???

Letztendlich haben wir zum Schluss viel Zeit verloren, sodass wir dann doch mehr als 7 Stunden für die 35 sm gebraucht haben, trotz des Speed-Segelns.

Der stürmische Wind pfeift laut durch den Hafen und die Salida ruckelt in den Seilen. Der Lärm der Masten und das Klappern der Falls wird alle paar Minuten von einem Zug, der über die nahe Brücke, donnert, verstärkt. Das wird eine lustige Zeit werden 🙄.

Da es morgen länger regnen soll machen wir uns heute noch auf den Weg, die Stadt anzusehen.

An der Hafenpromenade im Stadtzentrum sind zahlreiche Infostände und Bühnen aufgebaut mit vielen vorwiegend jungen Leuten drumrum. Ein Plakat bringt uns dann auf den aktuellen Stand: In Middelfart findet gerade das „Klimafolkemødet“ statt. Es ist Dänemarks größtes Klima-Festival, das jährlich stattfindet. Hier dreht sich alles um Nachhaltigkeit, Klimaschutz und konkrete Lösungen für die Zukunft. Auch rund um die Marina herrscht viel Trubel – ist vielleicht doch ganz gut, dass wir in einem entfernteren Hafen liegen.

Der Rückweg führt uns ein Stück durch die Altstadt mit gemütlichen Gassen und kleinen bunten blumengesäumten Häusern – typisch dänisch hyggelich 😀. 

PS: Schweinswale haben sich leider bisher nicht blicken lassen.