Inselwahnsinn

Heute konnten wir lange schlafen, es regnete. 

Als wir dann endlich mit dem Frühstück fertig waren, hatte der Regen aufgehört und wir begaben uns auf die obligatorische Inseltour. Wir wollten am langen Nordstrand Richtung Leuchtturm laufen und das Inselfeeling genießen. Badezeug hatten wir nicht dabei, denn der Wind war kalt und wir hatten auch einige Regenwolken im Nacken. Walter war in seinem Element, denn am Strand lagen die schönsten Steine rum. Selbst ich hatte am Ende ein paar schöne Steine in den Jackentaschen. Die türkisfarbenen Wellen, der weiße menschenleere Sandstrand, die verschiedenen Dünenformen mit ihrem bunten Bewuchs und die ständig wechselnden Wolkenformationen zogen uns in ihren Bann. 

Plötzlich sah ich eine kleine Robbe am Strand liegen. Ich befürchtete schon das Schlimmste, denn sie rührte sich nicht, als ich mich näherte. Ich kam so dicht an sie heran, dass ich sehen konnte, wie sie atmete. Aber dann sprang sie auf und robbte ins Wasser. Aufatmen bei uns, denn vor drei Jahren hatten wir tote Robbenbabys am Strand liegen sehen. Die Kolonie, eine der größten im Kattegat, lebt auf einer Sandbank hinter dem Leuchtturm.

Irgendwann hat uns dann doch ein Regenschauer erwischt und wir überlegten schon zurückzugehen. Aber Sonne und Wind hatten uns schnell getrocknet und so marschierten wir weiter sammelnd und schauend. Als uns dann die nächste Regenwand im Nacken saß, war der Leuchtturm nicht mehr so weit entfernt (ca. 2 km) und wir erinnerten uns an einen dortigen Unterstand. Also ein bisschen Tempo machen und vor dem Regen da sein. Der Plan ging auf und der Regen kam auch nur tröpfchenweise bei uns an. Am Leuchtturm angekommen waren wir happy, dass wir es durchgezogen hatten. Denn außer einer leckeren Vesper mit dänischen Plunderteilchen kamen wir in den Genuss, die Seehunde auf der Sandbank und im Wasser zu beobachten, ein immer wieder überwältigendes Erlebnis! 

Zurück ging es durch die Dünen, die mit ihrem niedrigen Bewuchs in der Sonne leuchteten. Zwischen den Dünen gibt es mehrere Möwenkolonien, wir wurden immer laut begrüßt. Später kam noch das Lila der blühenden Heide dazu, wir hatten immer wieder neue Bilder vor Augen. Regenfronten zogen an uns vorbei und machten immer wieder der Sonne Platz. Das letzte Stück an einer Straße zog sich und am Ende hatten wir über 20 km auf dem Zettel. Die Füße taten weh und Walters steineschwerer Rucksack hat in zuletzt auch fast erdrückt. Ich verstehe gar nicht, wie man sich das antun kann. 

Das Beste zum Schluss: Schöne Wellen am Südstrand bei Abendsonne zogen mich magisch an, sodass ich kurzentschlossen noch ins Meer hüpfte und ein bisschen in den Wellen rumtobte. Der reinste Inselwahnsinn!