Felix ist der Held des Tages

Gestern Abend gab es Drama vom Feinsten an Bord. Anina ist ihr Handy ins Wasser gefallen, ganz fies zwischen Bordkante und Steg aus der Hand gerutscht. Diese Horror-Schrecksekunde kann ich sehr gut nachvollziehen – auch von mir liegt bereits seit Jahren ein Handy auf dem Grund eines schwedischen Hafenbeckens. 

Walter stürzte sich sofort in die trüben, grauen und kalten Fluten. Die Wassertiefe lag bei drei Metern und es ging vom steinigen Ufer auch gleich steil ab in einen mit Seegras bewachsenen Abgrund. Er hatte null Sicht und keine Chance, das Handy blieb verschollen. Bei Anina flossen nachts bittere Tränen, nicht ums Handy, sondern um die vielen Fotos und Videos von ihren beiden Kiddies, die da drauf waren, etliches davon vermutlich nicht gesichert.

Heute Früh wagte Felix einen weiteren Rettungsversuch, er konnte seine Frau nicht so leiden sehen. Die Sonne schien, das Wasser hatte sich über Nacht geklärt und es gab Platz am Steg, sodass die Salida verholt werden konnte. Die Adleraugen von Anina scannten die Absturzstelle und entdeckten eine Ecke ihres goldenen Handys im Seegras blitzen. Felix stieg ins Wasser und holte das Teil mit einem Tauchgang heraus. Er ist unser Held des Tages! Das Verrückte war, dass das Handy nach einer Nacht im Wasser noch immer eingeschaltet war und das Display leuchtete. Nun liegt es weich gebettet in einer Dose voller Reiskörner und Anina ist happy. 

Demzufolge verlief die heutige Etappe nach Motala am Vetternsee sehr entspannt und gut gelaunt. Wieder war eine fünfstufige Schleusentreppe zu überwinden und wieder hatten wir Glück mit moderater Wartezeit. 

Nach einer weiteren knappen Stunde Kanalfahrt durch immer belebtere und urbanere Landschaft und durch etliche Brücken hatten wir Motala, die „Hauptstadt“ des Göta Kanals, erreicht und im Hafen einen der letzten Liegeplätze ergattert.

Falls es jemanden interessiert:

1822 gründete der Graf und Admiral Baltzar von Platen eine mechanische Werkstatt in Motala, die als Beginn der Entstehung des Göta Kanals gilt. Kurz vor Motala fährt man an seinem Denkmal vorbei. Heute ist die Stadt eines der größten Touristenziele am Kanal, wo sich Kanalreisende aus mehreren Teilen des Landes treffen. 

Abends sitzen wir im Boot und werden von einem Sturm durchgeschüttelt, der aus West über den Vetternsee in den Hafen hineintobt. Was tagsüber noch kräftige Böen waren, pfeift uns jetzt stürmisch um die Ohren und spritzt Gischt schäumende Wellen über den Steg.

Morgen werden wir hier bleiben und die vielfältigen örtlichen Freizeitangebote am Ufer des Vetternsees nutzen, bevor die Enkelfamilie am Mittwoch von Bord gehen und die Heimreise antreten wird.