Gestern war frühes Aufstehen angesagt, denn wir hatten einiges vor. Sieben Uhr hieß es „Leinen los!“, das Thermometer zeigte 11 Grad 🥶.
Zunächst 15 sm nach Süden durch den Vänernsee bis Vänersborg, dann durch erste Brücken in den Götaälv bzw. den Trollhätte-Kanal. Besonders auffällig war eine Eisenbahnbrücke, die wie ein Fahrstuhl an zwei Stahltürmen nach oben bzw. nach unten fuhr. Danach der erste Dämpfer: an der nächsten Brücke hieß es warten, es gab technische Probleme. Wir ahnten Schlimmes in Erinnerung an Holland, konnten aber doch schon nach kurzer Wartezeit passieren.
Ein bisschen Bammel hatte ich vor der ersten Schleuse, denn die Schleusen hier sind bestimmt 8 bis 10 m hoch bzw. tief. Außerdem ist oft nur eine Seite der Schleusenwand gemauert, die andere der pure Fels. Aber wir hatten Glück, alle Boote passten an die „saubere“ Seite und auch die Hangelei mit der Leine an der Leiter war unproblematisch.
Ganz doof sind die im Kanal rechts und links aufgestellten Wegmarkierungen, die aussehen wie Galgen und weit in den Kanal hineinragen. Da muss der Segler schon auf seinen Mast aufpassen😯.
Unser Tagesziel war Trollhättan. Wir fuhren ziemlich sorglos hinter der Antonia her – Karl wusste, wo man gut anlegen kann. Im Stadtgebiet dann ein kleiner Hafen, sehr hübsch und drei dänische Segelboote am Steg 🤭. Kurze Begrüßung von Ferne und vorbei. Dann sah ich bereits in der Ferne die Ampel der großen Schleusentreppe, in die wir definitiv nicht mehr reinfahren wollten. Rechts vorher Gedrängel am Wartesteg, die mit uns angekommenen Boote legten sich dazu ins Päckchen. Ich war etwas ratlos, zumal gerade eben weiter vorn auch noch ein Ausflugsschiff festgemacht hatte 🤔. Und wo sollen wir anlegen???
Plötzlich, unmittelbar vor der Schleuse, bog die Antonia ab in das Schleusenbecken der alten Schleuse, in dem man jetzt festmachen kann, uff. Nur zwei Boote lagen da, der Platz reichte auch noch gut für uns. Danke Karl, das hätten wir nicht gefunden, ein Platz in der ersten Reihe.
Nach dieser Aufregung erstmal ein Garnelenbrötchen bzw. Apfelkuchen im Schleusenkaffee. Von oben konnten wir beobachten, wie sich ein riesiges Schiff, beladen mit Holz, durch die Schleuse schob. Wir wurden neugierig und gingen auf Besichtigungstour. Schließlich wollten wir auch wissen, was am nächsten Morgen auf uns zukommen würde. Nachdem das Dickschiff weg war fuhren die Sportboote in die Schleuse, einige davon waren mit uns angekommen. Am Ende waren alle Boote vom Wartesteg in die Schleuse gefahren, wir zählten elf. Somit musste auch die „unsaubere“ Seite der Schleusenkammer belegt und auch im Päckchen festgemacht werden. Horror! 😱
Um auf andere Gedanken zu kommen machten wir noch einen Abendspaziergang zur Stadt. Ich war auch neugierig auf den künstlichen Wasserfall, über den der Wasserpegel des Vänernsees geregelt wird. Nun leidet auch Schweden gerade an Wasserknappheit, sodass das Wasser gerade nicht floss. Aber auch ohne Wasser war die Schucht überaus beeindruckend.
Auf dem Rückweg lugte die Sonne kurz mal hinter den Wolken hervor – gerade pünktlich genug, um noch ein Foto von der Sonnenfinsternis machen zu können. Später bescherte uns die Abendsonne noch zauberhafte Lichtspiele an der alten Schleusentreppe.
An der Schleuse werden Holzbuden und eine Bühne aufgebaut – am Donnerstag ist Schleusenfest in Trollhättan. Das kriegen wir aber nicht mehr mit.
Allen Befürchtungen zum Trotz gab es heute früh kein Gedränge in der Schleusentreppe, lediglich zu viert bewältigten wir das Hindernis relativ entspannt. Allerdings gab es eine ziemlich lange Wartezeit, als wir schon in der Schleusenkammer festsaßen und keinerlei Info, was los ist. Später sahen wir dann, dass wieder ein mit Holz beladener Frachter, der beim Schleusen Vorrang hatte, die Ursache war.
Je weiter wir nach Westen kommen, um so hügeliger und felsiger wird das Land. Das Ufer ist voll von Kanadagänsen, die sich wahrscheinlich schon für die Reise in den Süden sammeln.
Für die Nacht legen wir in Kungälv unterhalb der Festung Bohus an, ein Steg ohne Infrastruktur, aber sehr schön. Das weiß allerdings auch die Dänen-Armada und legt kurz nach uns an. Noch 16 Seemeilen bis Göteborg, ohne Schleusen 😉
































