Die Segelreise stand 2025 schon fest. Keine so weite Strecke mehr wie zur nördlichsten Tonne der Ostsee. Etwas beschaulicher und relaxter sollte es sein. Auch passend zum Zusteigen für eine gute Woche mit den zwei Enkeln und ihren Eltern. Da passt einmal quer Schweden von Ost nach West über den Göta- und Trollhätte-Kanal. 390 km Wasserstraße mit 64 Schleusen durch dichte Wälder, sanfte Hügel und malerische Dörfer. Das von blauwasser.de angebotene Onlineseminar über die Passage überraschte mit einem Sonderangebot der Kanalgebühren, falls im Voraus gebucht wird. Klar – das haben wir uns nicht entgehen lassen. Soviel zur Vorgeschichte der Planung.
Mittlerweile steht der Start kurz bevor. Und was haben wir nicht bedacht? Das Alter unserer allerliebsten Katze Lilli. Sie pinkelt mit ihren 19 Jahren neuerdings ab und zu aus ihrem Katzenklo heraus. Können wir das Lillis Pflegeeltern – unseren Nachbarn – zumuten? Im Krisenrat wurden Anpassungen zu den Katzentoiletten debattiert, umgesetzt und mit (mäßigem) Erfolg getestet.
Kurzum, es bleibt bei der ursprünglichen Planung (Kerstin steigt 3 Wochen später zu), aber je nach Verlauf (des Katzenpipis) gibt es verschiedene Törn-Optionen. Es ist also noch nichts wirklich sicher, wohin uns der Wind treiben wird.
Auch die Salida zeigte sich beim Erwachen aus dem Winterschlaf störrisch: Wasser im Saildrive (Getriebe) wurde erst diagnostiziert, als das Boot bereits fix und fertig im Wasser lag. Also aus dem Wasser kranen, Welle ausbauen, Teile aus Holland bestellt, reparieren und zurück ins Wasser. Eine fast dreiwöchige Aktion. Beim Trimmen des Achtestags zeigte sich noch eine gebrochene Halterung – ein Gruß aus dem letztjährlichen sportlichenTörn zum Bottnischen Meerbusen.
Mit Kumpel Ralf stand vor der großen Tour eine einwöchige Fahrt Rund Rügen an. Zunächst nach Wolgast, wo Skipper Walter fast um Haaresbreite die Brückenöffnung verpasst hätte – man sollte auf die gültige Saisonzeiten achten… Nächster Hafen war nach einer rumpeligen Überfahrt auf dem Greifswalter Bodden Stralsund. Die Altstadt genoss bei uns eine fast ähnliche Anziehungskraft wie die dort ansäßige älteste Hafenkneipe Europas.
Hiddensee überraschte mit einem nur halbvollen Hafen in Kloster. Ein Highlight der Reise war der Anblick der Kreidefelsen unter Segel. Just beim Erreichen zeigte sich die Sonne und beleuchtete neben der weißen Kreide wie eine grüne Mütze den Buchenwald. Nach Jahren des Dornröschenschlafs scheint nun auch Sassnitz zu erwachen – nicht zuletzt mit Hilfe einer saftigen Kurtaxe.
Nach einer Ankernacht vor Wolgast, mit Blick auf eine idyllische Pferdekoppel, erreichten wir wieder den Heimathafen Ueckermünde. Bei unserer letzten „Nachtsitzung“ mit Verkostung von flüssigen Kräutern im Cockpit, schien uns horizontal aus dem Osten ein großer Ballon an. Sahen wir jetzt schon schwebende Kräutergeister? Wir konnten es kaum glauben: der Mond in einem roten Gewand, verziert mit Kratermustern, blickte uns an. Wir wollten eigentlich mal früher in die Koje, aber daraus wurde nun nichts. Wie zwei Seewölfe heulten wir faszinierend den Vollmond an …







