Ein Seglerleben mit Höhen und Tiefen

Es ist Dienstag und das Seglerlebenpendel neigt sich leicht zum Tief.

Auf 6:00 Uhr ist der Wecker gestellt. Es soll ja nach Utklippan gehen. Immerhin knapp 60 sm. Um 4:30 Uhr morgens schaue ich mir den Wetterbericht an. Das Thermometer stand auf 14 Grad. Die Voraussage für die Wellenhöhe hat sich erhöht. Nee, dann lieber noch ein Tag Nexø und mit dem Fahrrad herumkurven. Wecker aus, in den warmen Schlafsack zurück, weiter gepennt. Um 9:00 Uhr aufgestanden, Wetterbericht angeschaut und siehe da, die Wellenhöhen haben sich signifikant verringert. Schnell noch ein Brot beim Bäcker geholt, Schiff zum Auslaufen fertig gemacht und ohne einen Kaffee die Leinen los Richtung Norden nach Schweden.

Selbstverständlich begleitete mich ein NATO Warship aus dem Hafen. Da konnte ich wenigstens nicht über die vielen Stellnetze fahren.
Beim Großsegelsetzten sehe ich in der oberen Hälfte einen Stock herumbaumeln. Nein!!! Hängt da etwa die Antenne nur noch an ihrem Kabel?! Ein zweiter Blick zeigte, dass sich „nur“ die oberste Segellatte verabschiedet hatte. Uff, noch mal Glück gehabt.

Was war das für eine sportliche Rauschefahrt! Im Durchschnitt waren es 6,2 kn Geschwindigkeit. Unterwegs musste ich reffen – Schwerstarbeit bei den Kräften an den Leinen. So manche Welle spritzte in die Plicht hinein, das bedeutet Salzwasserdusche für den Skipper. Ein kalter Wind mit 4 bis 6 Windstärken und das Aussteuern der hohen Wellen kostete viel Kraft am Ruder. Im Salon flogen diverse Teile von Luv nach Lee. Aber der Speed stimmte. Um 19:00 Uhr war ich im Hafen. Zugegeben etwas erschöpft und durchgefroren von dem wilden Ritt.

Dann wollte ich den Sonnenuntergang knipsen. Daraus wurde leider nichts. Nein, keine NATO Warships versperrten mir den Weg, sondern Seeschwalben. Sie schützten ihr Nest. Wie kleine Teufel flogen sie mit erschreckend lauten und schrillen Schreien über meinen Kopf. Ich ergriff nach einem heldenhaften Foto die Flucht.
Also Insel gucken fällt aus. Die gehört den Vögeln mit ihrem Nachwuchs.

Unsere BOSSin von der TheaterGäng will gerne wissen, was auf dem Speiseplan steht: Heute gab es drei Brötchen, eins mit Käse, die anderen zwei trocken. 😳

Heute Morgen, am Mittwoch, auf dem Weg zum Plumpsklo, hat mir doch tatsächlich eine Seeschwalbe auf den Kopf gehackt.
Ja, so ein Seglerleben ist manchmal nicht einfach!

Heute steht das Pendel wieder auf Hoch (nach der Vogelattacke). Der Wind ist super günstig, um nach Mörbyånga (Öland) zu segeln. Kein Vergleich zu gestern. Unterwegs fuhr „Mein Schiff Relax“ an mir vorbei. Das Foto ist leider voll gegen die Sonne. Es ist der größte Pott dieser Flotte (knapp 4.000 Passagiere. Im Vergleich: Salida hat zurzeit nur einen Mann …).

Mörbyånga erreicht. Strom bezahlt und es klappt nicht. (Pendel wieder leicht nach unten)