Die Nacht am Pier verlief ohne Komplikationen. Keine WaPo und pelzige Vierbeiner kamen an Bord. Dafür pfiff so manche Boe in der Nacht in die Takellasche und ließ den Skipper nicht richtig schlafen. Kurz vor Sonnenaufgang starteten wir den 80 Meilen-Törn nach Rönne. Quasi noch mit der Kaffeetasse in der Hand, begegneten wir in dieser Frühe 4 Frachtschiffen und 2 Fähren. Die letzte vertrieb uns mit übervorsichtigem Horngetöse aus dem Fahrwasser.
Ostsee und Marine. Bereits vorgewarnt von einem halben Dutzend am Swinnemünder Kai liegenden Kriegsschiffen, zeigte das AIS zwei „Nato War Ships“ auf dem Plotter an, die uns den Weg abschnitten. In der Ferne zwei Donnerschläge stellten klar, es wird der Ernstfall geübt.
Das alles störte Paula nicht bei ihren „Ostseeblicken“. Hier ihre Eindrücke:
Seltsamerweise ist mir beim aufs-Wasser-gucken nicht langweilig, obwohl sich innerhalb der 18-Stunden-Fahrt auf der visuellen Ebene kaum etwas ändert. Überraschend unterhaltsam erscheinen mir Wolkenformationen, die wechselnden Farben des Horizonts oder wo die Sonne steht. Weitere (durchaus ernst gemeinte) gute Unterhaltung ziehe ich aus den sich wechselnden Zahlen der Bordinstrumente, wie Knoten-Anzeige, Richtungs-Display und Windanzeiger.
Zu Beginn der Fahrt bin ich müde, wegen des frühen Aufstehens, aber fühle mich, wie sich ein Kind fühlen muss, dass sich dagegen wehrt, dass die Augen zufallen. Der Grund für meinen Widerstand ist die Faszination beim In-die-Ferne-Gucken. Ich kann meine Augen nicht vom Meer und dem Himmel lassen. Irgendwann verliere ich das Spiel und schlafe ein. Das wird mir im Laufe der Fahrt nochmal passieren, als wir später am Tag den Motor hinzunehmen, um nicht in der Nacht anzukommen. Das monotone Geräusch des Motors erinnert mich an die tagelangen Kanalfahrten in meiner Kindheit von Brandenburg an die Ostsee. Hier lag ich im Bauch der kleinen Salida und habe Höhlen gebaut und gezeichnet. Passiert ist auch damals auf dem Kanal – aus der Perspektive eines Kindes – gefühlte Ewigkeiten gar nichts.
Ich frage mich, wann diese seltsam angenehme Ermangelung an Abwechslung irgendwann genug ausgekostet sein wird. Und vermute, dass es der eigene Körper sein wird, der sich irgendwann Bewegung herbeisehnt.
Nach 15,5 Stunden haben wir Rönne erreicht.






