Die Ostseeumrundung ist nun komplett

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Mit der diesjährigen Tour über die Höga Kusten zum Bottnischen Meerbusen bis an den nördlichsten Punkt der Ostsee und über Finnland zurück, haben wir unsere Ostseeumrundung komplett gemacht – ein dicker Haken an einen Punkt auf unserer Bucket List. Es fehlt zwar noch eine kleine Ecke ganz im Osten, aber das hat Gründe, die wir nicht beeinflussen können. 

Mit rund 2.200 sm war es die zweitlängste Tour, noch ein bisschen weiter war nur der Törn nach Norwegen. Mir kam es gar nicht sooo lange vor, da ich erst in Gävle Ende Juni aufs Boot gestiegen bin. Walter ist ja bereits Ende Mai mit Roland gestartet und dann mit Carsten bis Kalmar gesegelt.

Mein erstes Highlight waren die Tage in den Höga-Kusten, ein wunderschönes Wasser- und Wandergebiet. Hier ist genau die Stelle, um sich in die schwedische Ostseeküste zu verlieben. Es gibt nichts Schöneres, als nach einer anstrengenden und abenteuerlichen Wanderung durch wunderschöne Natur, abends die Seele im idyllisch gelegenen Hafen oder in der Ankerbucht baumeln zu lassen.

Wind und Wetter waren nicht optimal – auf dem Weg nach Norden blies uns der Wind oft aus Norden ins Gesicht, um dann auf dem Rückweg nach Süden ständig von Süd zu kommen. Irgend jemand wollte es uns wohl schwer machen … 

Walter war daher lange von Zweifeln geplagt, ob wir es überhaupt bis zum nördlichsten Punkt der Ostsee schaffen würden. Wir waren unterwegs bereits einigen Seglern begegnet, die aufgrund der Wetterbedingungen – viel Regen und Nordwind in der ersten Julihälfte –  bereits aufgegeben und kehrt gemacht hatten. Komischerweise hatte ich kaum Zweifel, dass wir bis ganz in den Norden kommen. Woher ich meine Zuversicht nahm? Ich glaube, aus der Erfahrung der vergangenen Törns. Es geht fast immer was, wir sind ehrgeizig und ein bisschen Glück gehört auch immer dazu. 

Walters sportliches Highlight war mit Sicherheit die Umarmung der gelben Tonne in Töre, und damit den nördlichsten Punkt der Ostsee erreicht zu haben. Der Traum vieler Ostseesegler.

Ungewöhnlich heiß war es in den vier Wochen, die wir im nördlichsten Teil der Ostsee und in Lappland unterwegs waren. Temperaturen um die 30 Grad und Wassertemperaturen von 24 Grad hatten wir dort nicht erwartet. Auch die Einheimischen, mit denen wir sprachen, versicherten uns, dass es diese Temperaturen sonst immer nur an wenigen Tagen im Sommer gibt, niemals wie dieses Jahr über Wochen. Auch am Polarkreis haben wir eher geschwitzt als in weihnachtlichen Gefühlen geschwelgt – der Klimawandel lässt grüßen.

Mein zweites Highlight waren die Begegnungen mit den Rentieren in Lappland, als wir mit dem Mietwagen unterwegs waren. Diese hübschen und possierlichen Tiere zu sehen war ein besonderer Wunsch von mir, der in Erfüllung ging.

Segeln an der finnischen Ostseeküste ist noch einmal ganz was anders und ziemlich speziell. Die meisten Segler fahren auch auf der schwedischen Seite wieder zurück, aber wir hatten uns ganz bewusst für Finnland entschieden, um diese Küste kennenzulernen. Ungewohnt war die große Einsamkeit in den finnischen Gewässern. Stundenlang waren wir mutterseelenallein auf dem Wasser. Rückblickend müssen wir zugeben, dass das kein besonders ideales Segelgebiet ist. Das Wasser ist flach, voller Untiefen und sehr steinig, es gibt wenig Ankerbuchten und die Häfen sind oft erst nach langem Zickzack auf betonnten Fahrwassern, die man auch tunlichst nicht verlassen sollte, zu erreichen. Denn die markierten Steine bewegen sich unter dem Eis im Winter und liegen nicht unbedingt am selben Fleck wie im letzten Jahr. Deshalb werden die gekennzeichneten schiffbaren Wege regelmäßig neu vermessen (aber nur die). Wir haben einige Segler getroffen, die mit diesen Steinen Bekanntschaft geschlossen und Schäden am Boot erlitten hatten.

Die kleinen finnischen Hafenstädte, die wir besucht haben, waren alle „Reißbrett-Städte“ Nach großen Bränden wurden sie in quadratischen Rastern wieder aufgebaut und ähnelten sich daher sehr. Eine große Ausnahme war die kleine Stadt Rauma, eine Überraschung mit ihrer wunderschönen, gut erhaltenen Altstadt und Weltkulturerbe. 

Ach so – die schönen Steine auf den zauberhaften finnischen Inseln haben selbst mich zum Sammeln verleitet.

Auf der Rückfahrt mussten wir dann die kleinen Wetterfenster, in denen der Wind mal nicht aus Süden blies, konsequent ausnutzen. So kam es, dass wir in nur zwei Tagen durch die Ålandinseln gedüst sind und uns auch auf Bornholm, unserer Lieblingsinsel, nur einen Tag Aufenthalt gegönnt haben. Der Wunsch, das Zuhause zu erreichen und das Boot nicht über Winter an der Ostsee parken zu müssen, zog uns mehr in Richtung Heimathafen als in den anderen Jahren. So stellten wir uns in Finnland auch öfter den Wellen entgegen, was eher einem sportlichen Flair näher kam.

Wir haben beide auf dieser Reise festgestellt, dass uns jetzt die Törns doch zu lang werden. Drei Monate und so viele Seemeilen weg von zu Hause, das wollen wir eigentlich nicht mehr. Wir hatten in diesem Jahr oft das Gefühl von einem „Wettlauf gegen die Zeit“, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Belohnt wurden wir aber unter anderem mit den vielen hellen Nächten, die wir im Winterhalbjahr sicher ab und zu vermissen werden.

Während des Törns lagen Walter seine zwei verursachten „Versicherungsfälle“ von 2024 noch im Kopf. Seine größte Sorge war, dass ein dritter in 2025 dazukommen könnte. Aber die stetige Konzentration auf das Fahrwasser bzw. auf die „Rundumsicht“ und das Funktionieren der Bordtechnik (mal abgesehen vom Autopiloten) hat mit dazu beigetragen, dass kein Worst Case eintrat.

Schon unterwegs haben wir überlegt, wie wir weitermachen wollen. Rosinen rauspicken war eine Idee, Götakanal eine weitere. Noch ein bisschen mehr Dänemark in der Nachsaison … vielleicht. Auf jeden Fall weniger Strecke machen, unabhängiger vom Wetter werden und mehr Zeit an einem Ort haben. 

An dieser Stelle möchten wir uns wieder ganz herzlich bei unseren treuen Lesern bedanken, die uns auf der Reise begleitet und mit ihrem Feedback motiviert haben. 

Dank an Friedlinde und Hans-Joachim für die liebevolle Versorgung unserer Katze Lilli und an Carsten für den wachsamen „zweiten“ Blick auf Haus und Garten. Ohne euch könnten wir das nicht machen.

Statistik:

Gesamtstrecke: 2.200 Seemeilen, davon leider viel zu wenig gesegelt
Gesamtzeit Walter: 103 Tage
Gesamtzeit Kerstin: 77 Tage