Last Miles – Der lange Weg nach Hause

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Morgens um halb vier klingelte der Wecker, eine knappe Stunde später tuckerte die Salida aus dem Hafen. Kurz zuvor war ein polnisches Segelboot losgefahren, wir sahen sein Rücklicht vor uns. Der Mond leuchtete hell vom Himmel und zeigte uns den Weg. Wir wussten von der Anfahrt zwei Tage vorher, dass sich rechts und links vom Fahrwasser etliche Fischernetze aneinanderreihen. Die Fähnchen waren allerdings trotz Vollmond nicht zu erkennen. Es hieß also für uns, streng auf der Fahrwasserlinie zu bleiben, das Rücklicht vom Boot vor uns immer im Blick. Plötzlich sahen wir vor uns rot-grün, wieso hatte das Boot gewendet? Kommen die zurück? Wir waren etwas verunsichert, konnten aber außer den Lichtern nichts erkennen und fuhren langsam weiter. Nach ein paar Minuten brachte ein Blick durchs Fernglas eine neue Erkenntnis: Da war kein Segelboot, sondern ein größerer Fischerkahn versperrte uns den Weg 😱. Er lag halb quer mitten im Fahrwasser. Uns blieb nichts anderes übrig, als langsam um seinen Bug herum zu fahren, denn Walter befürchtete, in einem Schleppnetz zu landen. Es wurden ein paar Zitterminuten, denn unser Malheur mit dem Fischernetz 2024 war uns noch gut in Erinnerung. Aber es ging alles gut und wir konnten die lange Tour nach Swinemünde angehen. Zuerst gegenan, dann Kurs Südwest mit Null Wind und Schaukelwellen. Wir dachten beide dasselbe: Was soll das denn bitte werden 😳?

Am Himmel kündigte sich unterdessen das Schauspiel „Sonnenaufgang unter Wolken“ an und beschäftigte uns bestimmt eine halbe Stunde lang. Es ist schon etwas Besonderes, das auf offenem Meer mit unverstellter Sicht zu verfolgen (und hundert Fotos zu machen).

So lange wir noch die Küste Bornholms entlang fuhren, hatten wir mit den kappeligen Wellen zu kämpfen, die querab kamen und uns durchschaukelten. Später wurden dann die Wellen weicher und der Wind nahm zu, sodass wir mit leichter Motorunterstützung gut segeln konnten. Teilweise surfte die Salida sogar mit über sechs Knoten über die Wellen, das macht Spaß 🌊. 

Auf der Schiffahrtslinie südlich Bornholm war erstaunlich wenig los und auch vom Ostseemanöver der Nato war nichts zu merken. Hat uns nicht gestört 😊.

Erst kurz vor Swinemünde forderten drei nacheinander ankommende Fähren unsere volle Aufmerksamkeit, aber das kennen wir ja schon.

Nach knapp 80 Seemeilen und 16 Stunden legten wir müde, aber zufrieden, pünktlich mit Sonnenuntergang im Hafen von Swinemünde an. 

Nach einer erholsamen Nacht ging es dann heute weiter nach Ueckermünde, letzte Etappe. Die war ziemlich langweilig, keine Schiffe, kein Wind. Na gut, wir hatten in den vergangenen drei Monaten genug Action.