Den Preikestolen sollte man auf jeden Fall besuchen, wenn man hier in der Gegend ist. Er wird überall beworben und als das ultimative Highlight angepriesen. Da wir gerade in der Gegend sind, lassen wir uns dieses Abenteuer nicht entgehen.
Pünktlich um 9 Uhr starteten wir mit dem Bus, der uns bis zum Basiscamp in 270 m Höhe bringen sollte. Bereits die Busfahrt bescherte uns den ersten Höhepunkt des Tages. Es ging durch einen 14,4 km langen Tunnel unter Fjorden und Schären hindurch – er liegt an der tiefsten Stelle 292 m unter dem Meeresspiegel und ist damit der längste und tiefste Unterwasser-Straßentunnel der Welt. Er wurde 2020 eröffnet und die Norweger sind mit Recht sehr stolz darauf. Wenn man aus dem Tummel rauskommt ist man plötzlich in einer anderen Welt. Weg ist die Stadt, und hohe Berge, mit zum Teil weißen Gipfeln stehen majestätisch auf der einen Seite, blaugrüner Fjord leuchtet auf der anderen.
In Vorbereitung auf unsere Tour zum Preikestolen gab uns der Busfahrer noch einen gut gemeinten Rat mit auf den Weg: niemals das Lied „I believe I can fly“ auf dem Plateau anstimmen 😉
Wir hatten schon gelesen und gehört, dass der Weg nach oben gut begehbar sein soll, da an bestimmten gefährlichen Stellen Stufen ins Gelände eingearbeitet sind, welche von den Nepalesischen Sherpas mit Himalaya-Erfahrung gebaut wurden. Allerdings waren auf 4 km Länge 334 Meter hinauf bis zum Plateau zu überwinden, was uns ein wenig beunruhigte.
Nach dem ersten Kilometer war ich mir nicht sicher, ob ich oben ankomme, aber nach einer Weile hatte ich mich eingelaufen. Außerdem hat man ja auch Ehrgeiz … und Walter 🙂
Mit uns waren hunderte weitere Wanderer/Kletterer unterwegs zum Gipfel oder wieder runter, zum Teil mit Kind und Hund, und man hörte englisch, natürlich norwegisch, ukrainisch (die hatten ihre Fahne mit) französisch, arabisch, chinesisch, japanisch, schweizerisch, spanisch, sächsisch und deutsch und was weiß ich nicht alles. Die halbe Welt unterwegs zum Preikestolen.
Für die zweieinhalb Stunden Schinderei wurden wir reich belohnt mit atemberaubenden Blicken über die Berggipfel, in grüne Täler, zum Teil mit eingebetteten Seen, Hochmoore voller Sumpfgras und natürlich den berühmten Lysefjord. Welch ein berauschendes Gefühl, auf dem Plateau zu stehen und sich gemeinsam mit vielen anderen Menschen an der Natur zu erfreuen.
Nach unten ging es auch nicht viel einfacher, da machten sich dann irgendwann die Knie bemerkbar. Aber mit einer heißen Dusche im Hafen wurden die ärgsten Schmerzen vertrieben und zurück blieb die Befriedigung, die Herausforderung gemeistert und einen unvergesslichen Tag erlebt zu haben.

















