Öland tut gut

Der Segeltag gestern von Västervik nach Sandvik auf Öland begann mit grauem Himmel und endete nach 46 Seemeilen auch mit solchem. Mit leichtem Rückenwind und etwas Motorverstärkung haben wir die Strecke in knapp 10 Stunden geschafft. Der angekündigte Regen hat uns weitestgehend verschont, aber die Sicht war teilweise unterirdisch schlecht; wir haben kaum das Ufer gesehen, von anderen Booten ganz zu schweigen. Die Blå Jungfrun, die größte Insel im Kalmarsund, hat sich auch nur ganz kurz gezeigt und war dann in den tief hängenden Wolken verschwunden.

Walter war ja der Meinung, dass wir nach 34 Seemeilen unser Ziel Sandvik erreicht haben. Ich schau unterwegs gerne mal parallel bei GoogleMaps wegen eventuell zu beachtender Attraktionen und konnte es nicht so richtig glauben. Aber gut, er hatte ja das Navi. Die Anfahrt auf den Hafen (ohne Betonnung) kitzelte bereits sehr an meinen Nerven, denn es wurde schnell ziemlich flach und selbst mit Fernglas konnte ich keinen richtigen Hafen erkennen. Eine Steinmauer – ja, und dann? Leider nichts, stellte sich heraus. Wir kamen nichtmal bis zur Einfahrt. Der Hafen war winzig, flach und nur für kleine Boote geeignet. Ein zweiter Blick aufs Navi und parallel GoogleMaps klärte das Missverständnis schnell auf: Neben dem Hafen des kleinen Ortes Byrum gibt es ein Schwimmbad mit dem Namen Sandvik. Eine Verwechslung, die uns nochmal für zwei Stunden in den Kalmarsund schickte. Im richtigen Sandvik angekommen waren wir die einzigen Gastlieger und konnten uns den besten Platz aussuchen. 

Wir sind jetzt das dritte Mal auf Öland (Byxelkrog und Borgholm 2022) und wieder entdecken wir eine neue Seite der Insel. Der Gegensatz zur Schwedischen Ostküste mit den vielen Schären lässt mich tief durchatmen. Endlich mal was anderes sehen. Bunte Steine, die terrassenförmig das Ufer säumen, ziehen uns ganz schnell in ihren Bann und verleiten auch mich dazu, den einen oder anderen Fund in der Tasche verschwinden zu lassen. Walter macht sich darüber lustig, dass ich intensiv nach einem ganz bestimmten Stein suche, denn der Steinesammler in der Familie ist ja eigentlich er.

Gut tut der weite Blick übers Land, die Wiese mit den Kühen und den kleinen See mit den vielen Vögeln. Wir wandern durch ein Naturreservat und genießen die entspannte Atmosphäre. Die Farben der Büsche und Gräser werden langsam herbstlich und die Vögel sammeln sich für den Abflug in südlichere Gefilde. An einem kleinen See gibt es einen Vogelturm, der uns einen Blick auf das Gewusel werfen lässt. Walter macht für mich ein paar Fotos mit dem Teleobjektiv.

In Sandvik gibt es eine wirkliche Attraktion: Hier steht eine der größten Windmühlen der Welt und mit Abstand die größte Nordeuropas. Sie zieht auch heute zum Samstag eine Menge Besucher in den Ort.

Im Hafen gibt es frischen Räucherfisch zu kaufen, und so ist auch unser Abendessen gesichert mit Räucherlachs und Garnelen. 

Ich freue mich auf morgen, denn wir wollen eine Fahrradtour machen und auch mal an die Ostseite der Insel radeln. Die Wettervorhersage gibt Hoffnung auf einen sonnigen Tag und so werden wir die Badesachen einpacken.