Die Segeltour gestern von Cuxhaven nach Norderney mit ihren 65 Seemeilen war eine echte Herausforderung, sowohl zeit- als auch segeltechnisch.
Zuerst hatten wir so gut wie keinen Wind zum Segeln, später dann eine frische Brise von achtern, die die Salida wiedermal richtig durchschaukelte. Alles was nicht niet- und nagelfest war, flog durch die Kajüte. Auch die mit- oder gegenlaufende Gezeitenströmung ist ungewohnt für uns und fordert unsere Aufmerksamkeit.
Als wir nach 13 Stunden endlich ankamen, war der Hafen rappelvoll. Zwei Boote zogen bereits Platz suchend ihre Runden durch das Hafenbecken. Es war nichts zu machen. Nachdem auch wir einmal das gesamte Becken abgesucht hatten, fragte ich dann mutig ein am Steg längs liegendes Seglerpaar, ob wir bei ihnen als Päckchen festmachen dürfen. Wir durften – zum Glück. Die beiden waren sehr nett und versorgten uns gleich mit vielen Informationen. Am Nachmittag waren wohl 30 holländische Boote eingefahren – da hat man dann abends kaum eine Chance auf einen freien Liegeplatz.
Eine weitere wichtige Info war für uns eine echte Hiobsbotschaft: die stehende Mastroute durch Holland ist aktuell nicht schiffbar, etliche Brücken sind gesperrt. In Groningen ist Schluss. Damit hatte wir nicht gerechnet – vor 3 Wochen war noch alles im grünen Bereich. Ein Blick ins Internet bestätigte das Desaster. Was nun? Unsere gesamte Törnplanung fiel in sich zusammen. Alles außen herum über die Nordsee bis zu IJsselmeer zu segeln trauen wir uns nicht. Die Nordsee ist für uns hier in der Region bei diesen Wetterkapriolen zu unberechenbar. Außerdem wollten wir die Enkelfamilie für einen Streckenabschnitt in Holland mit an Bord nehmen. In den nächsten Tagen müssen wir uns unsere Optionen überlegen.
Zuerst einmal hängen wir für die kommende Woche hier fest, da ganz mieses Wetter mit Sturm auf uns zukommt. Eine gute Gelegenheit, die defekte Gangschaltung zu reparieren. Es soll hier einen guten Bootsschlosser geben.
Heute früh sind einige Boote abgefahren, sodass wir die Salida in eine freie Box verlegen konnten. Es waren wahrscheinlich auch etliche Segler nur übers Wochenende auf der Insel, die morgen wieder arbeiten müssen.
Norderney ist sehr schön. Der erste Eindruck gestern beim Vorbeifahren war zwar nicht so doll, da wir – wie schon in Fehmarn, zuerst eine Betonfront zu sehen kamen. Aber heute schnappten wir uns die Fahrräder und radelten bis zum Naturschutzgebiet im Osten der Insel. Dort gibt es einen sehr schönen Wanderweg durch die beeindruckende Dünenlandschaft, in der man viele Vögel und Unmengen an Kaninchen beobachten kann. Die hoppeln auch an der Straße entlang, über den Radweg und auf dem Golfplatz. Leider waren sie zu schnelll für meine Kamera 🙁 In Zukunft werden die niedlichen Fellnasen auf der Hut sein müssen, denn vor 2 Wochen wurde bekannt, dass sich ein Wolf auf der Insel herumtreibt. Es wird vermutet, dass er vom Festland bei Niedrigwasser über das Watt herüber gekommen ist. Hier hat er wohl jetzt jeden Tag Kaninchenbraten 😉
Ich werde Norderney wohl für immer mit dem durchdringenden Gepiepse der Austernfischer verbinden. Man hört und sieht sie überall, ob am Watt, auf der Wiese in der Düne oder im Hafen. Hier sind sie gerade laut pfeifend durch das Hafenbecken geflattert. Die Möwen, die dagegen sehr elegant durch die Luft gleiten, kommen mit ihrem vergleichsweise harmlosen Gekreische schwer dagegen an.
Wir wollen die Zeit hier nutzen und die Insel in den nächsten Tagen immer weiter entdecken. Ein bisschen Urlaub machen und natürlich die Törnplanung überarbeiten. Aber dazu später mehr.

















