Hinter Schloss und Riegel

Das kleine hyggelige Städtchen Kerteminde wird uns noch lange in Erinnerung bleiben.

Nach einer gemütlichen Segeltour über 25 Seemeilen bei sonnigem Wetter machten wir die Salida gestern am Spätnachmittag im Hafen fest. Hier lockten Waschmaschine und Trockner, denn Wäschewaschen war dringend angesagt. Die erste Hürde waren die dänischen Münzen, mit denen man diese Maschinen füttern muss. Also auf zum Geldautomaten. Die benötigten Münzen konnten wir im Supermarkt einwechseln und die Wäscheaktion startete. Wir waren guter Dinge, bis wir feststellten, dass die Wäsche nass aus dem Trockner kommt. Auch eine zweite Runde brachte kein besseres Ergebnis. Unterdessen war es 22 Uhr und Walter begann, im Boot Leinen zu spannen. Die großen Stücke kamen über die Reeling. Spätestens da war klar, dass wir unmöglich heute weiterfahren konnten.

Also war heute Zeit für eine Stadtbesichtigung. Kerteminde liegt auf der Insel Fünen am Großen Belt und die riesige Brücke ist vom Hafen aus auch schon zu sehen. Die Stadt ist sehr alt; es gibt Hinweise auf eine erste Besiedlung der Gegend im 11. Jahrhundert. Straßenzüge mit schönen alten, gut restaurierten Häusern, die Walters Herz höher schlagen ließen, luden zum Bummeln und Fotografieren ein. Genau wie der Antik-Laden an der Ecke, in dem wir natürlich fündig wurden. Ich muss zugeben, da bin ich genau so schwach wie Walter 😉

An der Bäckerei kamen wir natürlich auch nicht vorbei und so gab es lecker Kaffee und Kuchen auf dem Boot. Die Wäsche war unterdessen größtenteils trocken.

Vom Hafen aus hatte ich eine Mühle gesehen, zu der ich unbedingt noch wollte. Es war nicht weit und die Mühle war auch geöffnet. Weit und breit war kein Mensch zu sehen. Auf einem Schild wurden wir darauf hingewiesen, dass wir die Mühle auf eigene Gefahr betreten. Gefährlich fanden wir es nicht, denn die Mühle war sehr gut erhalten und so erkundeten wir in aller Gemütsruhe die drei Etagen.

Der Weg zurück war uns dann leider versperrt, denn die vormals offene Tür nach draußen war nun mit einem Vorhängeschloss verriegelt. Was nun??? Ein klitzekleiner Panikanfall bahnte sich bei mir an. Ich hämmerte an die Tür und brüllte aus Leibeskräften ein verzweifeltes „Hallo, ist da jemand?“ Walter suchte indessen nach einem Werkzeug, mit dem er die Tür aufbrechen könnte. Unser letzter Ausweg wäre ein Anruf bei der 110 gewesen. Gut, wenn man immer das Handy dabei hat.

Schließlich hatten wir Glück und es kam eine Frau mit Fahrrad vorbei, die Zugang zum Schlüssel hatte, und ließ uns wieder frei. Es wäre nicht nett gewesen, wenn wir in der alten Mühle hätten übernachten müssen.