Sturmnacht und Schlammschlacht

Egersund ist eigentlich ganz hübsch, wenn man durch das Städtchen mit seinen vielen alten und restaurierten Holzhäusern spaziert. Es gibt eine Fußgängerzone mit schönen Geschäften und Butiken, eine Schokoladenmanufaktur, ein Museum und einen Hausberg. Leider hat dieses Angebot einen Haken: Es gilt überwiegend nur zwischen 10 und 16 Uhr, außer für den Hausberg 😉
Einige Mutige lassen ihr Geschäft auch bis 17 Uhr offen, aber das sind Ausnahmen. Beschauliche Ruhe also ab 17 Uhr. Diese wurde abrupt durch die Ankunft des angekündigten Sturms gestört und zunichte gemacht. Der Wind pfiff ordentlich durch den Sund, brachte Sturmböen und Regen mit und legte nachts um 2 nochmal ordentlich nach. Alle Boote im Hafen schaukelten und ächzten um die Wette, die vorsorglich angebrachten Zusatzleinen zurrten und zerrten. Da hat wohl keine Crew ein Auge zugemacht. Als wenn einer den Hebel umgelegt hätte war der Spuk heute früh um 6 Uhr vorbei – dann begann endlich unsere Nachtruhe.

Wir hatten in einem Prospekt etwas über einen nur wenige Kilometer entfernten Geopark gelesen, in dem sich Felsformationen befinden, die aus dem gleichen Material (Arnorthosit) bestehen wie das Gestein auf der Mondoberfläche. Man kann also praktisch im Geopark „auf dem Mond“ gehen. Am Ende der letzten Eiszeit vor rund 10.000 Jahren gaben das Eis und enorme Mengen Wasser der Landschaft die heute sichtbare Prägung. Zurück blieb eine große Zahl spannende Skulpturen, unter anderem der Trollpikken, der auf vielen Werbefotos präsent ist.

Also holten wir die Fahrräder raus – das Wetter war wieder ruhig und sogar sonnig – und machten uns auf den Weg. Im Geopark selbst waren noch ca. 2 km zu laufen, was wiederum bedeutete, über Felsen zu kraxeln und durch Matschkuhlen zu staksen oder zu hüpfen. Dieses Mal hat es mich erwischt und ich habe mich auf dem Rückweg in einer matschigen Schlammkuhle auf den Allerwertesten gepackt. Da musste die Waschmaschine im Hafen noch eine kleine Nachtschicht schieben.